Die Chronik der Kleingartengemeinschaft „Am Turnplatz“ Wildau II

Abschrift: Der handschriftlichen Aufzeichnung von Walter Kaiser  08.06.1979

 

In den Jahren 1906-1908 wurden die Häuser am Turnplatz gebaut. Die Ausschachterde wurde an die Ränder der Dahme, ein Sumpfgebiet, geschüttet. Allmählich versank die Erde im Sumpf nicht mehr und ein Stück feste Erde entstand. Von der damaligen Firma B.h.A.g. vormals L. Schwartzkopff wurde das entstandene Gelände hergerichtet, ein Turnplatz erbaut, umzäunt und verschlossen.

Die Schule und der Turnverein  „Schwartzkopff“ benutzten diese Einrichtung. Später ist das, um den Sportplatz liegende Gelände parzelliert und in Plänen, die heute noch bestehen, festgehalten worden. Die Größe der Schrebergärten betrug zwischen 230 und 300 m², um möglichst vielen Werksangehörigen Gelegenheit zu geben, zwecks Freizeitgestaltung und Erholung, die Parzellen zu bewirtschaften.

Es standen zunächst 64 Gärten, die später durch Aufschüttungen am Stichkanal und an den Wiesen rechts der Straße zum Klubhaus „Karl Marx“ auf 81 Grundstücke anwuchsen. Das benötigte Wasser wurde aus den, auf den Gängen gebohrten Brunnen geholt. Später bohrten sich einige Gartenfreunde auf Ihren Parzellen eigene Brunnen, um zeitraubendes Wasserholen zu ersparen. Unermüdlicher Fleiß, Ausdauer und Schaffenskraft brachten den Gartenfreunden Erfolge für ihre Mühen. Da einzelnes Schaffen oft zu Schwierigkeiten und nicht den erhofften Nutzen brachte, schloss man sich zusammen und gründete den damaligen „Nutzgartenpächter - Verein“, um als Ganzes bei Bestellung von Materialien, Dünger und Futtermitteln gezielter und besser arbeiten zu können.

 

Die schwere Zeit nach dem 1. Weltkrieg machte bei den Kleingärtnern nicht halt. So sah man sich genötigt Vieh zu halten. Hühner, Enten, Gänse, Kaninchen, Ziegen, Schafe und Schweine fanden in den Ställen Platz. Sogar eine Kuh war darunter. Um den Mitgliedern lange Wege und Umstände zu ersparen, richtete man einen Futterkeller, der jeden Freitag geöffnet war, ein.  Es stand eine große Auswahl an Futtermitteln (über 20 Sorten) für alle Tierarten bereit. Fachvorträge aller Art wurden in den Versammlungen gehalten und ausgewertet.

 

Nach den 2. Weltkrieg versank die gesamte Organisation, es gab damals schon einen Kreisverband, in ein Nichts. Bald aber waren Gartenfreunde bemüht, eine vereinte Bewegung ins Leben zu rufen. Es kam zu einer Vereinigung aus dem ehemaligen „ Haus und Grundbesitzerverein Wildau“ und dem ehemaligen „Nutzgartenpächterverein Wildau“. Die daraus entstandene Verbindung nannte sich „Siedlerverein Wildau“.

 

Später, um das Jahr 1972, kam die „Kleingartengemeinschaft Am Turnplatz Wildau II“ zustande, deren Mitgliederzahl von 23 auf 101 gestiegen ist. Wie im Wettbewerb eingearbeitet, sind Vorstand und Mitglieder ständig bemüht, die zum Teil veraltete Anlage neu bzw. umzugestalten, um den Gärten nicht nur ein schönes Aussehen zu verleihen, sondern auch hohe Ernteerträge zu erzielen.

    

                                                                                                                gez. Walter Kaiser 08.06.1979