Wildauer Kolonie wird 100 Jahre alt

Seit 100 Jahren besteht die Wildauer Kleinkartenanlage "Am Turnplatz". 64 Parzellen teilen sich derzeit 114 Kleingärtner. Viele von ihnen kommen täglich her. Am 13. September wird das Jubliäum erst einmal groß gefeiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

Märkische Allgemeine

Lokales Dahme-Spreewald Wildauer Kolonie wird 100 Jahre alt

 

Artikel veröffentlicht: Donnerstag, 17.07.2014 18:43 Uhr

Artikel aktualisiert: Freitag, 18.07.2014 13:30 Uhr


 Quelle: F. Mohr

Wildau. Volker Marschinke ist selig. Die Sonne scheint, der Garten blüht und nette Nachbarn hat er auch. Für sie hat er sich auch gleich vier Gartentore eingebaut. "Damit kann ich ruck, zuck in alle Himmelsrichtungen ausschwärmen. Und überall bin ich willkommen", sagt der gelernte Tischler. Ohne seine Parzelle ginge gar nichts mehr. Fast seine gesamte Freizeit verbringt er hier. Der 53-Jährige ist in der Schwartzkopff-Siedlung geboren. Er kennt die Kleingartenanlage am "Turnplatz" schon von Kindesbeinen an. Mehr als die Hälfte der in diesem Jahr 100-jährigen Geschichte der Anlage "Am Turnplatz" hat er direkt miterlebt.

Zu seinen Mitstreitern gehören 114 Kleingärtner in 64 Parzellen. 46 von ihnen wohnen noch immer in der Schwartzkopff-Siedlung. In der Blütezeit waren es sogar schon 87 Gärten. 1953 mussten allerdings aufgrund des geplanten Wiederaufbaus der Wildauer Badeanstalt die ersten Parzellen wieder weichen. Ein Prozess, der sich zum Kummer des Vereinsvorsitzenden Gerd Schmidt seit 2011 aufgrund der Gestaltung der Uferpromenade rund um das Klubhaus an der Dahme fortsetzt. 14 Parzellen fielen ihm schon zum Opfer. "Aber jetzt ist Schluss. Die verbliebenen 64 Parzellen gehören zum Kerngebiet der Schwartzkopff-Siedlung und sind daher Teil des Denkmalschutzes", betont er.

Parzelle 10 wird neuer Vereinstreff

Die gute Laune lassen sich Vereinschef Schmidt und ihm zur Seite Volker Marschinke und die für die Kultur zuständige Dagmar Kleinau daher keinesfalls vermiesen. Das 100-jährige Bestehen ihrer Anlage wird gefeiert. Daran lassen alle drei keinen Zweifel. Am 13. September ist es in zünftiger Runde mit Grillfleisch und Bier im traditionellen Treffpunkt des alten Anglerheims der Betriebsgruppe soweit, ehe auch dieses Domizil 2015 zugunsten des Klubhauses von der Abrissbirne heimgesucht wird.

Aber Kleingärtner wären nicht Kleingärtner, hätten sie nicht schon längst einen Ausweg gefunden. "Die erst vor ein paar Wochen aus Altersgründen abgegebene Parzelle 10 wird künftig unser neuer Vereinstreff", sagt Marschinke. Dem Aufruf zum dortigen Arbeitseinsatz sind vor ein paar Tagen so viele Gartenfreunde gefolgt, dass Vereinschef Schmidt schon fast Mühe hatte, alle ausreichend zu beschäftigen. Hier sind auch ein kleiner Anbau sowie eine sogenannte "offene Tafel" geplant, an der künftig jedes Vereinsmitglied zwanglos Platz nehmen kann. "Wir wollen damit auch ein Angebot für unsere älteren Mitglieder schaffen, denen die Bewirtschaftung der Parzelle teilweise schon sichtlich schwerfällt", sagt Dagmar Kleinau. Viele von ihnen gäben sie aber nicht auf, weil sie, in der Siedlung meist ohne Balkon wohnend, dann im Sommer überhaupt kein Plätzchen mehr hätten, wo sie sich ungestört hinsetzen oder auch ein kleines Blümchen pflanzen können. Schließlich liege das Durchschnittsalter im Verein schon um die 60 Jahre. Nachwuchssorgen kennt Schmidt dennoch nicht. "Der Schrebergarten erlebt eine Renaissance. Immer mehr junge Familien mit Kindern wollen zurück zur Natur und ihre Tomaten oder Gurken wieder selbst anbauen", sagt der Vereinschef. Für frei werdende Parzellen gibt es eine Warteliste. Zumal die an die Stadt Wildau zu zahlende Pacht (noch) äußerst gering ist.

 

Von Franziska Mohr